Einsortiert unter: Suedamerika 2010/11
Die Sierra Nevada de El Cocuy ist ein bedeutender Ort. Das liegt nicht nur daran, dass dieser Teil der Anden ueber das groesste Gletschergebiet Kolumbiens verfuegt und daher jedem naturbegeisterten Menschen des Landes ein Funkeln in die Augen zaubert. Es ist vor allem die Tatsache, dass wir von Anfang an – also etwa seit Mai diesen Jahres – den Traum hatten, diesen Flecken Erde auf unseren eigenen Fuessen zu erkunden.
Die Auswirkungen des verheerenden Winters mit den heftigsten Regenfaellen in der Geschichte des Landes zwangen uns zu Beginn noch dazu, unsere Plaene zu aendern und schweren Herzens die Wanderung im Nationalpark zu verschieben. Als wir dann kurz darauf beschlossen, unsere Reise bis kurz vor Weihnachten zu verlaengern, wussten wir noch nicht, dass wir eine zweite Chance erhalten sollten. Jedoch waere es gelogen zu behaupten, El Cocuy waere nicht die ganze Zeit ueber in unseren Koepfen geblieben. Zu viele atemberaubende Fotos hatten wir scjon gesehen, zu viele Menschen hatten uns von der Schoenheit der Berge vorgeschwaermt und die Sierra als das ultimative Trekking-Ziel des Landes angepriesen. So kam es, dass wir selbst in der schwuelen Abgeschiedenheit des peruanischen Amazonas-Beckens ab und an den Gedanken an die gletschergeschwaengerten Berge der kolumbianischen Anden nicht unterdruecken konnten.
Ende November war es nun soweit. Trotz der erneut schweren Regenfaelle, die das ganze Land in Atem halten, wagten wir die Reise in das Bergdorf Guican, der letzten Siedlung vor eginn der Wanderung. Mit unserer Ankunft stellte sich strahlender Sonnenschein ein, die Vorzeichen schienen guenstig zu stehen. Aufgeregt wie kleine Kinder mit einer ordentlichen Portion Vorfreude, jedoch eingestellt auf eine Menge Regen und alle uebrigen Unwegbarkeiten, die die fuer ihre harten Wetterbedingungen beruechtigte Sierra Nevada starteten wir also unseren Rundweg.
Nicht etwa die Tatsache, 9 Tage lang weit abseits jeglicher Zivilisation eine abgeschiedene Bergkette durch schroffes Gelaende zu durchkreuzen bereitete und Kopfschmerzen. Vielmehr ist es die Hoehe, die selbst die ambitioniertesten und hartgesottensten Bergfreunde oftmals zur Umkehr und damit zur Aufgabe ihres Traumes zwingen. Der Weg verlaeuft ueber seine komplette Distanz oberhalb der 4.000-Meter-Linie. Die durchschnittliche Hoehe betraegt etwa 4.300 Meter, die Naechte werden allesamt zwischen 4.300 und 4.500 Metern verbracht, die hoechsten der 7 Bergpaesse ueberschreiten die 4.700-Meter-Marke. In dieser Hoehe faellt das Wandern auch ohne sonstige technische Schwierigkeiten schwer. Also waren wir nur allzu froh darueber, dass wir den Grossteil der vergangenen Monate in vergleichbaren Hoehenlagen verbracht hatten und daher mit der Akklimatisierung – sieht man von den Kopfschmerzen und der phasenweisen Atemlosigkeit in den ersten 2 Tagen einmal ab – keine ernstzunehmenden Probleme hatten.
Der Rundweg ist normalerweise in 6 Tagen zu bewaeltigen. Da wir jedoch von vornherein wussten, dass dies unsere letzte grosse Wanderung auf dieser Reise werden sollte, stand fuer uns von Anfang an der Genuss an erster Stelle. Darueberhinaus lagen wir mit der Annahme, dass es viel regnen wuerde, richtig. So standen wir jeden Morgen um 5.30 Uhr auf, genossen ca. 2 Stunden blauen Himmel und Sonnenschein, bevor die Wolken aufkamen und weite Teile der Sierra fuer den guten Teil des Tages in (Regen-)Wolken und Nebel huellten. Erst ab spaeten Nachmittag konnte auf eine Besserung der Verhaeltnisse gehofft werden. So kam es, dass wir neben viel Zeit in den Bergen eben auch viel Zeit im Zelt verbrachten.
Da wir jedoch viel zu feiern hatten, konnten wir demgegenueber recht gelassen bleiben. Zum einen waren wir ja schliesslich genau an dem Ort, den wir uns seit langer Zeit ertraeumt hatten, zum anderen verbrachten wir unsere 100ste (!!!) Nacht im Zelt. Fast ein Drittel unserer Naechte auf dieser langen Reise haben wir damit in unseren eigenen “4 Waenden” verbracht. Nicht nur fuer uns, sondern auch fuer unser Zelt eine stolze Leistung. Alleine in den Bergen, bepackt nur mit dem Notwendigsten und unserem Haeuschen haben wir uns stets am wohlsten gefuehlt. Eine gemeinsam entdeckte und entwickelte Leidenschaft, die – so sind wir uns sicher – noch sehr lange Bestand haben wird.
Die 9 Tage in der Sierra Nevada de El Cocuy bleiben nicht nur der besonderen Umstaende wegen in Erinnerung. Es handelt sich schlichtweg um eine der spektakulaersten – wenn nicht gar DIE spektakulaerste – Berglandschaften des Kontinents. Am letzten Tag erst haben sich unsere Wege mit denen anderer Wanderer gekreuzt. Die uebrige Zeit hatten wir die einzigartige Szenerie ganz alleine fuer uns und kamen aus dem Staunen oft nicht mehr hinaus. El Cocuy ist eine Reise wert; eine zeitnahe jedoch, denn die Gletscher befinden sich wie fast ueberall auf der Welt auf dem Rueckzug. So dramatisch wie hier sind die Folgen des Klimawandels jedoch an kaum einem anderen Ort zu spueren. 18 Gletscher auf einer Laenge von lediglich 30 km sind beachtlich – das groesste Gletschergebiet Suedamerikas noerdlich von Ecuador. Klimaforscher rechnen derzeit jedoch damit, dass die Kordillere schon in 15 Jahren komplett schnee- und eisfrei sein wird. Traurige Aussichten! Wer diesen atemberaubenden Flecken Erde noch in seiner jetzigen Form bestaunen moechte, sollte sich beeilen – es lohnt sich!
Momentan befinden wir uns nun wieder in Bogotá, unserer ersten Station in Kolumbien. Wir geniessen die letzten Tage, obwohl der nahende Abschied natuerlich unwillkuerlich seine Schatten zieht. Unsere Zeit hier ist bald abgelaufen – der Zustand unserer zu Beginn der Reise neu gekauften und mittlerweile entsorgten Wanderschuhe koennte kein passenderes Symbol darstellen.
Ein letzter Blog-Eintrag nach einem ganzen Jahr in Suedamerika ist eigentlich dazu praedestiniert, sentimental zu werden. Sicherlich gaebe es tausende verschiedene Gruende zu nennen, warum uns momentan etwas mulmig ums Herz wird. Genauso koennten an dieser Stelle unzaehlige Reiseerfahrungen reflektiert werden. Nur: all das gehoert nicht an diese Stelle. All das ist in uns und all das bleibt in uns. Die Erfahrungen hier haben tiefe Spuren hinterlassen. In welcher Art uns Weise sie veraendert haben, koennen wir selbst nicht beurteilen. Wir sind ueber alle Massen dankbar fuer die Zeit, die wir hier verbringen durften, fuer die Menschen, die wir mittlerweile Freunde nennen und fuer all die neuen Ideen, mit denen wir nun die Rueckreise antreten.
Es gibt sehr viele Dinge aufzuarbeiten, nachzuerleben und nachzufuehlen. Es hat sich einiges veraendert – gerade durch die Zeit in Kolumbien. Unsere Liebe fuer und Dankbarkeit gegenueber diesem Land und seinen wunderbaren Menschen kann man schlecht in Worte fassen. Vielleicht genuegt es zu sagen, dass wir uns unter Menschen noch in keinem anderen Land – unser eigenes eingeschlossen – so wohl gefuehlt haben, wie hier.
Wir kommen wieder!
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Saludos Felix y Elisabeth!
Kommentar von Ing Marco Julio Angarita Noguera Februar 2, 2012 @ 7:27 pmMe agrada saber que su viaje pos nuestra tierra fue bueno. Que hermosas fotografias!! No habia podido leer su cronica sobre el viaje a la Sierra, pero me alegra que lo hayan disfrutado. Espero regresen alguna vez. Un abrazo .Ingeniero Marco Angarita. El Cocuy, Boyaca, Colombia South America.